Rückblick auf vergangene Auftritte

Auftritt am Gemeindefest: Stand Up! Kirchenchor trotzt dem Wind
Am letzten Augustsonntag, dem Tag des Gemeindefests von St. Georg in Steinbach, trug der evangelische Kirchenchor mit viel Elan zum Gelingen der Geselligkeit im und um das Gemeindehaus bei. Chorleiter Malte Bechtold hatte ein vielfältiges Programm zwischen Tradition und Moderne, Englisch, Ukrainisch und Deutsch zusammengestellt und Roxana Littau als Pianistin gewinnen können. Zwar wehte der verspielte Wind den würzigen Rauch des Würstchengrills in die Gesichter der Singenden und trug die Notenblätter vom Dirigentenpult davon, doch der Kirchenchor trotzte tapfer diesen kleinen Imponderabilien und unterhielt bei strahlendem Sonnenschein die Gemeindemitglieder, die sich nach Gottesdienst und Sitzung zum Schmausen unter freiem Himmel niedergelassen hatten, mit musikalischer Feinkost. Der Chor begann a-cappella mit dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden altbekannten Kirchenlied “Lobe den Herren”, allerdings in einer aufgepeppten und höchst anspruchsvollen Fassung von Hugo Distler aus dem Jahr 1933.
Danach setzte Roxana Littau mit lyrischen Klavierpassagen ein, zu denen sich die silbrigen Stimmen von Anastasiia Bosenko und Viktoriia Kazmyruk gesellten, die von den Wäldern und Bergen (Sa Lisami Horami) ihrer Heimat sangen. Die ukrainische Sängerin Zlata Ognevich, die die Ukraine auch schon beim Eurovision Song Contest vertreten hat, hat dieses Lied 2011 bekannt gemacht. Im Refrain konnte der Chor die sehnsuchtsvolle Stimmung aufgreifen und ein Stückchen ukrainischer Melancholie an das Publikum weitergeben.
Mit dem darauffolgenden “Stand Up” machten die Vortragenden wiederum einen scharfen Schnitt: Jetzt war mitreißender Gospelgesang angesagt. Solistin Marion Then übernahm mit einer jazzigen Gesangseinlage die Rolle der Sklavin “Harriet” , die im gleichnamigen Film nach einer wahren Begebenheit Sklaven aus dem amerikanischen Süden in die Nordstaaten schmuggelt. Eine Frau als Moses-Figur, die ihr Volk befreit, und ein Song, der an die traditionellen Moses-Gospels anknüpft, entschlossen, eindringlich, unbeirrbar. Der unbedingte Freiheitswille bricht sich in hochdynamischen Tonclustern Bahn. Dieser sich in seinem Verlauf unglaublich steigernde Song verlangte den Sängerinnen und Sängern schauspielerisches Engagement und größte Hingabe ab und hinterließ auch bei den Zuhörern einen tiefen Eindruck.
Zum Abschluss ertönte eine versöhnliche Ode an die Freundschaft, “For the Love of a Friend”, komponiert vom US-Amerikaner Carl J. Nygard, einem zeitgenössischen Kirchenmusiker. Alle im Publikum, die das Glück haben, Freundschaften aus der Jugend über viele Jahrzehnte weitertragen zu dürfen, konnten sich in diesem bildreichen Gesang wiederfinden.
Wer von diesem vielschichtigen Programm nicht genug bekommen kann oder jetzt neugierig geworden ist, kann am 04. Oktober um 11:00 Uhr im Erntedank-Gottesdienst in der Reithalle Jägerhof in den Genuss einer weiteren Kostprobe dieser Stücke kommen. Der Kirchenchor freut sich über jede Resonanz. (Annette Linhardt, Foto: Wolfgang Dörnbach).
Sonntag „Cantate“, 03. Mai 2026, Gottesdienst in der ev. St. Georgskirche in Steinbach
Sechs Sonntage liegen zwischen Ostern und Pfingsten und alle diese Sonntage tragen in der evangelischen Kirche Namen.
Am 03. Mai 2026, dem 4. Sonntag nach Ostern, benannt Cantate, fand in der ev. St. Georgskirche in Steinbach ein ganz besonderer Gottesdienst statt. Cantate (lateinisch. cantate = singet!) geht zurück auf die vorreformatorische Zeit und diese Bezeichnung hat sich bis heute erhalten. So hatte der Gesang an diesem Sonntag eine große Bedeutung.
Zu Beginn des Gottesdienstes erklang die wunderschöne, barocke Osterkantate „Stimmet Hosianna an“, von Wolfgang Carl Briegel (1626-1712). Dieser im unterfränkischen Königsberg geborene, zu Unrecht fast vergessene Komponist der Barockzeit wird mit zu den Wegbereitern der geistlichen Kantaten des 18. Jahrhunderts gezählt.
Chorleiter Malte Bechtold hatte keine Mühen gescheut und erneut Levent Altuntas (Violine), Charlotte Reitz (Cello) und eine weitere Streicherin engagiert, die gemeinsam mit Yumi Yokoyama (Orgel) und den Stimmen (Sopran, Alt, Tenor, Bass) des ev. Kirchenchores die Kantate zu einem emotionalen, freudigen Klangerlebnis werden ließen.
Die Vertonung des Komponisten Morten Johannes Lauridsen (1993) über ein lyrisches Gedicht aus „Les Roses“: „Dirait-on“ von Rainer Maria Rilke erklang im weiteren Verlauf des Gottesdienstes. Rilke, der auch in französischer Sprache dichtete, beschreibt darin die komplexe Schönheit der Rose in kreativen Bildern. Dank intensiver Probenarbeit präsentierte der Chor dieses Lied im Originaltext als wunderschönes, vielschichtiges Klanggebilde.
Pfarrer Herbert Lüdtke erläuterte die Bedeutung der Musik und des Singens und hatte sich zudem noch etwas Besonderes für den „Cantate-Sonntag“ vorgenommen, nämlich „ein neues Lied“ mit der Gemeinde zu formen.
Zum Text aus Psalm 98, Vers 1 „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“, entstand, mit Ideen der Gottesdienstbesucher, ein neuer, geistlicher, individueller Gesang.
Noch einmal war der Chor in obiger Besetzung mit einer weiteren Osterkantate von Wolfgang Carl Briegel zu hören: „Dir Gott Vater, Dir sei Ehre“. In Freude über die Auferstehung gingen die Gottesdienstbesuchern beschwingt, hoffnungsvoll und zuversichtlich aus der St. Georgskirche.
Danke nochmals allen Mitwirkenden für einen beeindruckenden Gottesdienst und danke dem Publikum für den spontanen, herzlichen Applaus (Foto: Yakiv Sapa).
(B. Dörnbach)
Unser Auftritt beim Ostergottesdienst am Sonntag, 5. April 2026: Alleluia am Ostermorgen
Es ist früh am Ostermorgen, als die Steinbacher St. Georgskirche die Pforten öffnet, um dem Wunder der Auferstehung Raum zu geben. “Halleluja” - oder, in der lateinisch/griechischen Form, “Alleluia” - ist der alte hebräische Jubelruf “Preiset Gott”, wobei das “ja(h)” am Wortende eine Abkürzung für “Jahwe” darstellt. In der christlichen Tradition wird das Halleluja vor dem Evangelium gesungen, oder, wie an diesem besonderen Sonntagmorgen, nach wochenlanger stiller Passionszeit als Signalruf der Freude über Erlösung und Auferstehung. Der evangelische Kirchenchor bricht nach der Predigt des Ostergottesdienstes in diesen Jubelruf aus, in vielfacher Variation wird “Alleluia” zwischen den zwei Frauenstimmen Sopran und Alt und den im Bass vereinten Männern hin- und hergeworfen, sodass ein wirbelnder, hochdynamischer Höreindruck entsteht. Schöpfer des Werkes “Alleluia. Laudem dicite” ist Hans Leo Hassler (1546-1612), der in für die Spätrenaissance typischer polyphoner Manier einen betörenden Lobgesang geschaffen hat. Das komplexe, in a cappella zu singende Stück verlangt den Ausübenden hohe Aufmerksamkeit für das Ineinandergreifen der verschiedenen Stimmen ab. Dirigent Malte Bechtold meistert diese Aufgabe mit seinem Chor nach konzentrierter Probenarbeit brillant. Durch die eindrucksvolle Predigt von Pfarrer Herbert Lüdtke und den folgenden furiosen chorischen “Weckruf” ist die Gemeinde nach der Trauer der Karwoche in das Jubelgeschehen geradezu hineinkatapultiert worden.
Eingerahmt wird der Gottesdienst musikalisch von einem hinreißenden Zusammenspiel zwischen zwei Violinen, einem Cello sowie der Kirchenorgel, die den Chorgesang begleiten: Zwei prächtige barocke Osterkantaten von Wolfgang Carl Briegel (1626-1712), einem frühen Zeitgenossen Bachs, kommen zur Aufführung. Levent Altuntas (Violine), Charlotte Reitz (Cello) und Yumi Yokohama (Orgel) weben nicht nur einen feinen Klangteppich für den Gesang, die Streicher brillieren auch gemeinsam mit der Orgel in mehrtaktigen Instrumentalpassagen und tauchen den Kirchenraum in eine für den Barockton typische, festlich-beschwingte Atmosphäre (A. Linhardt. Foto: Yakiv Sapa).
Der ev. Steinbacher Kirchenchor singt zusammen mit anderen Chören bei der Eröffnung des Eschborner Weihnachtsmarkts im Dezember 2025. Foto: A. Freund.
Der Kirchenchor singt beim Gottesdienst zum 3. Advent in der St.-Georgskirche (Dezember 2025). Foto: P. Cron
Der ev. Kirchenchor singt beim Adventscafé für die Senioren im Bürgerhaus Steinbach (Dezember 2025). Foto: Y. Sapa


Ostersonntag April 2025
Es ist schön, am Ostermorgen unter blauem Himmel und blühenden Bäumen zum Singen zu gehen. Durch das zarte Aprilgrün der Dorflinde fällt das Sonnenlicht auf die in feierliches Schwarz-Weiß gekleideten Chormitglieder, die sich um 9 Uhr vor der St. Georgskirche in Steinbach versammelt haben.
Dirigent Malte Bechtold kommt mit dem Fahrrad, Organistin Ellen Breitsprecher hat den Schlüssel zur Kirchenpforte dabei, dann trifft auch Pfarrerin Evelyn Giese ein. Alle gemeinsam gestalten sie heute den Gottesdienst zur Auferstehung Christi im hellen Frühlingsschein.
Traditionell wird ein solch gewichtiger Jubeltag im Kirchenjahr mit viel Halleluja begangen. Auch der evangelische Kirchenchor wird diesem Leitwort gerecht mit Lied 19 aus dem EG+ nach einem Text von Jörg Zink, "Wir stehen im Morgen", dessen tänzerisches "Halleluja" im Refrain die zahlreich erschienene Gemeinde zum Mitsingen animiert.
Weniger tänzerisch kommt Max Regers kurzer Vokalsatz "Christ, von den Toten erweckt" aus dem Jahr 1911 in seiner strengen Aufteilung zwischen Strophe und Refrain daher: Während in den Strophen der Tod Christi in fast qualvoller chromatischer Verwobenheit geschildert wird, findet im Refrain die Feier des unsterblichen Lebens in hymnischen Harmonien ihren Ausdruck - auch hier darf das "Halleluja" natürlich nicht fehlen.
Der musikalische Höhepunkt dieses Gottesdienstes ereignet sich aber gleich zu Beginn, als Malte Bechtold das Verstummen der Gemeindemitglieder abwartet, um dann den Einsatz zum A cappella - Stück "Sicut Cervus" zu geben, jener berühmten Motette des Renaissancekomponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina über die Sehnsucht nach Gott. "So, wie der Hirsch lechzt nach den Quellen der Wasser, so lechzt meine Seele nach dir, Gott." Unnachahmlich hat Palestrina das Gefühl des Sehnens in ineinanderfließende polyphone Gesangslinien übersetzt, die in gleitender Bewegung von ergreifender Schönheit schließlich in das Wort "Deus" münden.
Der Chor zeigt sich dieser anspruchsvollen Aufgabe gewachsen und hat gleich mit dem ersten Stück für eine kontemplative Stimmung unter den Zuhörenden gesorgt, einen Raum der Spiritualität geöffnet. Pfarrerin Evelyn Giese füllt diesen Raum mit ihrer Predigt über die vier Symbole des Ostermorgens, die Dornenkrone, die Sonne (die passenderweise wunderschön zum südlichen Kirchenfenster hereinscheint), den Schlüssel und das Ei. Später wird sie noch jedem der musikalischen Akteure des Gottesdienstes eine geschlossene Tulpenblüte überreichen als Zeichen für den Frühling, aber auch für "die sich nur langsam öffnende Freude am Ostergeschehen" nach den erschütternden Ereignissen um Christi Tod.
Der Kirchenchor schließt sein Programm mit dem selten gesungenen Hymnus "The resurrection and the life" des 1950 geborenen britischen Kirchenmusikers Andrew Fletcher, in dem nicht nur die Wiederauferstehung Jesu, sondern vor allem sein Nachwirken im Leben der Gläubigen bis zum heutigen Tag besungen wird: "Ich erkenne seine Gegenwart in meinem Leben, seine Gnade, seine Liebe, seine Anmut, sein Leben in mir." In buchstäblich höchsten Tönen (im Sopran bis zum hohen g) besingt der Chor, begleitet von festlichem Orgelspiel, die Präsenz Gottes.
Auch wenn dieses letzte, modernere Stück ohne "Halleluja" auskommt, verlassen die Gottesdienstbesucher die Kirche doch mit dem lebenssteigernden Gefühl des himmlischen Jubels. Händels erhabene Wassermusik, von Ellen Breitsprecher prachtvoll an der Orgel intoniert, begleitet die Gemeindemitglieder in den hellen Frühlingstag.
Wer nun Lust auf Singen bekommen hat, kann jederzeit zu den Proben des evangelischen Kirchenchors ins Gemeindehaus in der Untergasse kommen, jeweils dienstags von 20:00-21:30 Uhr. Es ist auch möglich, nur für die Dauer eines Projektes teilzunehmen. Musikalische Vorkenntnisse helfen, sind aber nicht erforderlich. Der Chor singt einen bunten Mix aus vielen verschiedenen Musikstilen, von klassischer Kirchenmusik über Gospel bis Pop. Das nächste Projekt wird ein Auftritt auf dem Steinbacher Stadtfest sein.
von Annette Linhardt
(Foto: Yakiv Sapa)



